Historische Feuerwehr

 

Kurzer Abriss über die Entstehung und Entwicklung der deutschen Feuerwehr

Erste, wenn auch sehr bescheidene, überlieferte „Feuerordnungen“ sind aus dem späten Mittelalter bekannt. So z. B. in einer Feuerordnung für London (1189), es werden „Hilfsdienstpflichten bei Feuersbrünsten“ in der Feuerordnung der Stadt Augsburg aus dem Jahr 1276 oder der Stadt Esslingen aus dem Jahr 1331 beschrieben. Auch ist eine vollständige „Löschordnung“ der Stadt Köln aus dem Jahr 1403 bekannt. In diesen „Feuerordnungen“ oder „Feuerlösch- Ordnungen“ wurde meist das Vorhalten von Brandleitern, Schürhaken und/oder Löscheimern oder Wasserfässern vorgeschrieben und „achtbare Männer“ oder bestimmte Berufsgruppen wie Weinhändler, Wein- und Wasserträger oder Eichmeister -ggfs. unter Befreiung von der Steuerpflicht- verpflichtet, „bei Feuersbrünsten mit ihren Eimern und Göltern Wasser herbei zu schaffen und Löschversuche zu unternehmen ohne dabei Anspruch auf Entlohnung zu nehmen“. In diesen Ordnungen wurde auch das Trocknen von Hanf und Flachs in Stuben sowie das Tabakrauchen in Stuben unter Strafe verboten. Die zu dieser Zeit zur Verfügung stehenden Löschgeräte waren äußerst einfach und beschränkten sich fasst immer auf Eimer, sonstige Schöpfgefäße und kleine hölzerne Handspritzen. Weitere Hilfsgeräte waren z. B. (Einreis)Haken und kleine Feuerleitern. Bekannt ist, dass zu Beginn des 16. Jahrhunderts von dem Goldschmied Anton Platner von Augsburg eine wohl funktionsfähige Feuerspritze erfunden wurde. Als Vorläuferin der späteren großen Feuerspritzen darf aber eine Maschine angesehen werden, die im Jahre 1578 gebaut wurde. Die Spritze war bereits auf einem zweirädrigen Wagen angeordnet und hatte einen kegelförmig zugezogenen Zylinder der in einer Strahlrohrdüse mündete. Das Wasser musste mit der Hand in einen Trichter eingefüllt werden.

Nachdem zu Anfang des 17. Jahrhunderts in Nürnberg die Herstellung von Feuerspritzen aufgenommen wurde, war diesen eine größere Verbreitung beschieden. Sie wurden stetig weiter entwickelt, bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit der Einführung des Windkessels eine weitere nennenswerte Verbesserung erzielt wurde. Obwohl schon mindesten seit Mitte des 17. Jahrhunderts Lederschläuche bekannt waren, hatten zur jener Zeit alle Handdruckspritzen ein direkt auf das Pumpwerk aufgesetztes festes Wenderohr.

Da die Technik der Handdruckspritzen sich im Laufe der Jahre stark verbessert hatte, schrieben spätere Feuerordnungen, wie z. B. die der Stadt Stuttgart aus dem Jahr 1750 dann schon genau vor, welches Aufgebot als „Feuerkommando“ und als „Löschmannschaft“ bei einem ausgebrochenem Schadenfeuer aufzumarschieren hatte. In dieser Feuerordnung war z. B. genau beschrieben, wie viel Personal, aufgeteilt in Obleute, Aufseher, Arbeiter u.a., für die Spritzen und sonstige Aufgaben zuständig waren. Wer zwischenzeitlich den Hanfschlauch ohne Naht erfunden hat ist leider nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass der Webermeister Beck aus Leipzig 1720 solche Schläuche gefertigt hat.

Gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts bildeten sich erste „Rettungsvereine“ (überliefert 1792 Hannover, 1797 Erfurt und Rudolstadt), „Rettungsanstalten“ (1804 Überlingen) oder „Feuer-Rettungs-Anstalten“ (1806 Ulm a. d. Donau). Diese Vereine oder Anstalten waren eine erste Art Vorläufer der freiwilligen Feuerwehren, können aber keineswegs als „erste Feuerwehren“ gerechnet werden.

Die sich gegen Mitte des 19. Jahrhundert häufenden Brandkatastrophen (z. B. Hamburg Mai 1842, 50 Tote, 20.000 Obdachlose) brachten vielerorts die Stadtbewohner zur Selbsthilfe und auf den Gedanken, Löschvereine zu gründen. Diese entstanden oftmals aus den Mitgliedern der aufkommenden „Turngemeinden“ oder „Turnvereinen“, da die Turner eine gewisse körperliche Ertüchtigung mit brachten.

In Meißen wurde 1841 ein erstes, auf Freiwilligkeit basierendes „Freiwillige Lösch- und Rettungs-Corps“ gegründet.

Auf betreiben des Durlacher Stadtbaurats Christian Hengst mit Unterstützung des Heidelberger „Mechanikus“ Carl Metz geht die Gründung des von auf Freiwilligkeit aufgebauten „Pompier-Corps“ in dem badischen Städtchen Durlach im Juli 1846 zurück. Dieses „Pompiers-Corps“ dürfte die erste „Freiwillige Feuerwehr“ Deutschlands gewesen sein.

Die Bezeichnung „Feuerwehr“ taucht aber erstmals in Verbindung mit der Stadt Karlsruhe im Jahr 1847 auf. Nach dem schweren Brand des Karlsruher Hoftheaters im Februar 1847 gründete sich im März 1847 in Karlsruhe ein Verein von freiwilligen unter dem Namen „Karlsruher Feuerwehr“. Diesem Verein traten auch sofort 160 Mitglieder des „Allgemeinen Turnvereins Karlsruhe“ bei.

Der bereits oben erwähnte Heidelberger „Mechanikus“ Carl Metz war nicht nur ein Verfechter der „Freiwilligkeit“ bei der Brandbekämpfung, sondern baute auch für die damalige Zeit vorzügliche Feuerspritzen. Die „Instructionen“ und Schulungen für die Bedienung seiner Feuerspritzen führte er selbst durch und legte größten Wert auf ein einheitliches „Exerzierregelement“. Dadurch wurde erstmals eine organisierte und wirkungsvolle Brandbekämpfung möglich. Der Name „Carl Metz“ ist unlösbar mit den Gründungen und dem Aufblühen der „Freiwilligen Feuerwehren“ in Deutschland verbunden.

Etwa zur gleichen Zeit sorgte sich in Ulm ein, den Turnern angehöriger Kaufmann Namens „Conrad Dietrich Magirus“, um den Feuerschutz in seiner Heimatstadt. Er hatte von den “Durlachern“ gehört und sagte sich, „was die Durlacher zustande gebracht haben, müssen auch die Ulmer fertig bringen“. Er schaffte es, die Turner hinter sich zu vereinen und stellte aus deren Reihen eine Steigerkompanie zusammen. Im Jahre 1847 konnte sich diese schon rühmen, bei einem großen Schadenfeuer Beachtliches geleistet zu haben. Die bis dahin in Ulm bestehende, aber gänzlich unwirksame Pflichtfeuerwehr wurde durch Magirus und seine Turner komplett umgestaltet.

Neben seinem unermüdlichen Wirken als Kommandant der Steigerkompanie entwarf und fertigte Magirus eine neuartige Leiter. Diese Leiter wurde unter dem Namen „Ulmer Leiter“ sehr schnell bekannt und vielfach gefertigt. Später gründete er eine „Feuerlöschgerätefabrik“ in Ulm und widmete sich vor allem der Entwicklung von leichten, freistehenden Feuerwehrleitern. Auch heute noch gehören „Magirus Leitern“ zu den modernsten und zuverlässigsten Leitern bei der Feuerwehr.

Nun entstanden, meistens aus den Reihen der Turnvereine und vor allem im badischen und württembergischem Raum immer mehr freiwillige „Pompier Corps“ und/oder freiwillige „Lösch- und Rettungsanstalten“ (z. B. Mai 1847 Heilbronn, Spätsommer 1847 Reutlingen, Schwäbisch Hall u. Tübingen, 1949 Augsburg). Im Jahr 1851 wurde die erste Berufsfeuerwehr Deutschlands in Berlin gegründet. Um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert zählte man im Deutschen Reiche 12067 freiwillige Feuerwehren, und in den Städten 51 Berufsfeuerwehren.

Conrad Dietrich Magirus war es inniges Anliegen, die sich gebildeten „Pompier Corps“, „Feuerwehrkorps“ und „Feuerwehren“ in übergeordneten Verbänden zu vereinen. Am 19. Juni 1853 hatte er im Schwäbischen Merkur (Stuttgart) die Vorstände aller Feuerwehren Württembergs zu einer Zusammenkunft aufgefordert. Diese Tagung fand am 10. Juli 1853 in Polchingen statt. Es sollte der „1. Deutsche Feuerwehrtag“ sein, die sich bis heute fortgesetzt haben.

Auf dem 3. deutschen Feuerwehrtag 1855 in Stuttgart erfolgte bereits die Bildung des „Deutschen Feuerwehrverbandes“.

Um diese Zeit herum wurden in England die ersten, für die Feuerwehren sehr brauchbare Dampfspritzen hergestellt. Im Vergleich zu den bisherigen Handdruckspritzen waren die mit Dampf angetriebenen Pumpen diesen um ein Vielfaches überlegen. Im Laufe der Zeit wurden die Anheizvorrichtungen verbessert, sodass nach einer Heizzeit von nur 5 Minuten die volle Leistung erreicht werden konnte. Hierbei wurden bereits Fördermengen bis zu 4000 l/min und Förderhöhen von 150m erreicht. Die Dampfspritzen bildeten zum Ende des 19. Jahrhunderts das Rückgrat bei der Bekämpfung größerer Brände. Im Jahre 1901 zeigte die Fa. W. C. F. Busch AG aus Bautzen eine automobile Dampf-feuerspritze. 1904 begann Magirus mit der Herstellung von mit Dampfkraft angetriebenen Kraftfahrspritzen und Kraftfahrdrehleitern.. Damit hatte Magirus den ersten automobilen Dampflöschzuge der Welt gefertigt. Dieser wurde an die Stadt Köln geliefert.

Fast zur gleichen Zeit wie die die Dampfmaschine für den Antrieb der Feuerwehrfahrzeuge zur Einführung kam, wurde auch die elektrische Kraft –meist in der Form von Radnabenmotoren- in den Dienst der Feuerwehrfahrzeuge gestellt. Der erbittert geführte Kampf der beiden Antriebsmöglichkeiten wurde zunächst zu Gunsten des elektrischen Antriebs entschieden, bis sich schließlich 1911 für den immer mehr aufkommenden Verbrennungsmotor entschieden wurde. Ein Jahr früher, im Jahr 1910, hatte man sich wegen ihrer großen Einfachheit und Betriebssicherheit für die Einführung der Kreiselpumpe anstelle der Kolbenpumpe entschieden.

Wenn auch die ersten automobilen Fahrzeuge der Feuerwehr noch schwerfällig waren, so bedeutete ihr Einführung einen wesentlichen Fortschritt in der Brandbekämpfung. Mit der zunehmenden Verwendung des Automobils im Nutzfahrzeugbau wurden auch die Feuerwehren -vor allem nach den 1. Weltkrieg- viele Fahrzeugtypen entwickelt. Die meist mit offenen Aufbauten ausgestatteten Fahrzeuge dienten der Unterbringung der Mannschaft und der Mitführung von Armaturen und Schläuchen. Viele Fahrzeuge waren auch mit Kreiselpumpen, die eine Leistung von 1000 bis 2500l/min besaßen, ausgestattet und führten z. T. auch Löschwasser mit. In den Jahren nach 1930 ging man dazu über, die Feuerwehrfahrzeuge mit geschlossenen Aufbauten zu versehen. Damit waren Mannschaft und Gerät nun in voll-kommen geschlossenen Räumen untergebracht.

Hatten die Freiwilligen Feuerwehren bisher stets den erforderlichen Nachwuchs aus freiwilligen Reihen, so änderte sich dies 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. In dem im Dezember 1933 veröffentlichen Preußischen Feuerlöschgesetzes wurden Berufs- und Freiwillige Feuerwehren zur „Feuerlöschpolizei“ und dem jeweiligen Ortspolizeiverwalter unterstellt. Die Uniformierung der Beruf- und Freiwilligen Feuerwehren wurden einheitlich blau und unterschieden sich nur in der Farbe der Uniformspiegel. Waren bisher die meisten Freiwilligen Feuerwehren nicht rechtsfähige Vereine sollten sie nun als rechtfähige Vereine in das Vereinregister eingetragen werden was aber aus (vereins)rechtlichen Gründen nicht erfolgte. Die bisherigen Kreisfeuerwehrverbände sowie die Provinzial- bzw. Landesfeuerwehrverbände wurden Körperschaften öffentlichen Rechts und hatten unter anderem die Aufgabe, eine Feuerwehrschule zu unterhalten. Da durch die Nationalsozialisten auch viele andere Einrichtungen und Organisationen (z.B. HJ, NSKK Fliegerkorps) geschaffen wurden und wohl auch durch die nun immer mehr militärisch organisierten Feuerwehren, waren den Feuerwehren bis 1938 rund ein Drittel an Führungs- und Mannschaftsdienstgraden verloren gegangen. Im Verlaufe des Krieges verloren die Feuerwehren gut die Hälfte aller Kameraden durch Einberufung zum aktiven Wehrdienst. 1938 musste der 1855 auf dem 3. Deutschen Feuerwehrtag in Stuttgart gegründete Deutsche Feuerwehrverband, seine Tätigkeit einstellen. Die bisher unterschiedlichen Feuerwehr-ausrüstungen (z. B. unterschiedliche Schlaudurchmesser und –kupplungen) wurden durch die Einführung von Normen reichsweit vereinheitlich. In den Kriegsjahren von 1941 bis 1945 hatten die deutschen Feuerwehren vor allem nach den Flächenbombardements in den Städten ihre größten Kämpfe zu bewältigen.

Mit dem Zusammenbruch 1945 wurden fast alle bisherigen Vereinigungen der Feuerwehr erschlagen. In den ersten Jahren nach dm Krieg standen die Feuerwehren unter Aufsicht der Alliierten. Die Städte waren bzgl. Feuerwehr auf sich selbst gestellt; an organisierte Zusammenschlüsse konnte noch nicht gedacht werden. Um die Feuerwehrausrüstungen auch weiterhin in Deutschland zu vereinheitlichen, wurde 1947 der Fachnormenausschuss Feuerlöschwesen in Leben gerufen. Die eigentlichen Feuerschutzaufgaben wurden an die Länder übertragen die ihre eigenen Feuerschutzgesetzte erließen (bis heute so). 1950 kam es zur Gründung der „Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes“ und 1952 wurde der „Deutsche Feuerwehrverband“ neu gegründet. Da auch weiterhin genügend Männer mit Idealismus zur Stelle waren und auf Grund der technischen Weiterentwicklung lebten auch die Freiwilligen Feuerwehren rasch wieder auf. Um evtl. Nachwuchsmangel vorzubeugen, versuchte man auch Jugendliche für den freiwilligen Dienst in der Feuerwehr zu gewinnen. So konnte z. B. in Nürtingen a. N. bereits im Frühjahr 1955 eine Jugendfeuerwehr mit über 30 aktiven Jugendlichen gegründet werden. Seit Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre wirken die Feuerwehren auch im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe mit (1958 – Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz[ZB], heute Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe).

Heute ist die Feuerwehr dank ihrer umfassenden Ausstattung fast ein „Mädchen für alles“ geworden. Längst machen die Brandeinsätze nur noch einen Bruchteil der Einsätze aus. Die Feuerwehren sind heute hoch spezialisierte und bestens ausgebildete Einheiten. Sie werden bei Unglücksfällen aller Art, z. B. nach Unwettern, bei Verkehrsunfällen, bei Unfällen/Ereignissen mit atomaren-, biologischen- und/oder chemischen Stoffen, bei Mensch oder Tier in Not, sowie bei Schadenfeuer gerufen.

16 Feuerwehr Landesverbände sowie die Bundesgruppen der Berufs- und Werkfeuerwehren bilden den heutigen Deutschen Feuerwehrverband. In 24.410 Feuerwehren mit 17.663 Jugendfeuerwehren, 100 Berufsfeuerwehren und 932 Werkfeuerwehren sind heute 1.340.077 aktive Kameradinnen und Kameraden engagiert.

 

Quelle: „Der goldene Helm“ © 1978 Verlag moderne Industrie, W. Dummer AG, München
Internetseiten Deutscher Feuerwehrverband

 
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